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Symposium 2018 in der Klinik Lipperland, 21./22. Juni 2018

22.08.18

Symposium 2018 in der Klinik Lipperland, 21./22. Juni 2018 Zum Sommeranfang, am 21.06.2018 bis 22.06.2018, fand in der Klinik Lipperland das jährliche Symposium in Verbindung mit der Rehawerkstatt statt. Die Veranstaltung wurde zum insgesamt 10. Mal angeboten; 2008 lief das erste Symposium zur Thematik der „beruflichen Orientierung in der Rehabilitation“. Daraus entwickelte sich das gemeinsam von der Abteilung Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung Bund, dem Reha-Zentrum Bad Salzuflen und der Berolina-Klinik in Löhne organisierte und wechselnd in beiden Kliniken durchgeführte jährliche Symposium. In diesem Jahr war neu in der Organisation die Salzetalklinik der DRV Westfalen in Bad Salzuflen eingebunden. Am bewährten Format änderte sich nichts: neben Vorträgen und Diskussionen von und mit den Experten wurden sechs Arbeitsgruppen "aus der Praxis für die Praxis" angeboten. Das Ganze wurde abgerundet durch einen großen Abendvortrag und viele persönlichen Kontakten, besonders beim gemeinsamen Essen und gemütlichen abendlichen Beisammensein. Die diesjährige Thematik drehte sich um "chronische Erschöpfung“, ein viel zu wenig beachtetes Symptom, das allerdings viele unserer Patientinnen und Patienten in Behandlung, in Rehabilitation und oft auch in eine vorzeitige Berentung führt. Dies war Thema des Eröffnungsvortrags: “ Chronische Erschöpfung, ein unterschätztes Symptom?" Frau Prof. Dr. Alexandra Martin aus Wuppertal referierte. Als Expertin für Psychotherapieforschung und biologische Psychologie beleuchtete sie chronische Erschöpfung unter dem Aspekt der Entstehung, des Auftretens bei unterschiedlichen Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten. Dabei wurde deutlich, dass es wenig evidenzbasierte Behandlungsangebote gibt, andererseits gerade bei diesem Symptom eine Kombination aus kognitiv-behavioralen, körperorientierten und somatischen Behandlungsverfahren von besonderer Bedeutung ist. Der lebendige Vortrag von Frau Prof. Martin zeichnete sich durch einen hohen klinischen Bezug aus, was sich in der anschließenden regen Diskussion mit den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus allen Teilen Deutschlands widerspiegelte. Im Anschluss referierte Dr. Thomas Schulte, Ärztlicher Direktor der onkologischen Klinik Bad Oexen über "Fatigue - kontroverses Thema in der Onkologie“. Mit beeindruckenden Zahlen aus der eigenen Klinik belegte er Bedeutung und Umfang des Symptoms Erschöpfung. Eindrucksvoll wies er darauf hin, dass chronische Erschöpfung weit mehr sei als ein körperliches Phänomen; auch emotionale und besonders mentale Funktionen sind betroffen wie Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne. Als problematisch bezeichnete er die relativ geringen Besserungsquoten der Erschöpfungssymptomatik trotz intensiver rehabilitativer Bemühungen. Hier sah er noch viel Handlungsbedarf zur Entwicklung geeigneter Konzepte, um dies zu verändern. Dr. Dieter Olbrich, Ärztlicher Direktor des Rehabilitationszentrums Bad Salzuflen knüpfte am nächsten Tag an diese Thematik an: er stellte die Notwendigkeit der "Erschöpfungsdiagnostik in Prävention und Rehabilitation" vor. Psychosomatische Rehapatienten zeigen ein hohes Ausmaß an Erschöpfung, was allerdings häufig in vorhandenen Rehabilitationskonzepten nicht zur Kenntnis genommen wird. So wies er auf die Bedeutung der biologischen Marker, wie Bestimmung des Stresshormons Cortisol und der Herzratenvariabilität hin, um Erschöpfung umfassend zu diagnostizieren. Bei therapeutischen Angeboten wies er auf die Bedeutung der Balance zwischen Aktivierung und Regeneration hin, ein Umstand, dem in den vorliegenden Rehastandards kaum Rechnung getragen wird. Als ein besonderes, noch im experimentellen Stadium befindliches Behandlungsangebot stellte er die Intervention mit frequenzmodulierter Musik (Audio Visuelle Wahrnehmungsförderung, AVWF) vor. Die Behandlungsergebnisse sind nach 5-jährigem Einsatz ermutigend; weitere Forschung zum Einsatz von AVWF bei Erschöpfung läuft. Die Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit der Anwendungspraxis aus unterschiedlichen Blickwinkeln und reichten von sozialmedizinischen Leistungsbeurteilung in der psychosomatischen Rehabilitation bis zu Fatigue-Management in der onkologischen Rehabilitation. Es wurde zum wiederholten Male ein ZRM Schnupperkurs angeboten, Achtsamkeit geübt und das Ganze abgerundet durch eine Arbeitsgruppe, die sich mit Resilienz und Arbeitswelt beschäftigte. Die Resonanz war sehr positiv, die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden abschließend im Plenum vorgetragen. Den großen Abendvortrag hielt Herr Prof. Dr. Frank C. Mooren, Ärztlicher Direktor der Klinik Königsfeld der DRV Westfalen in Ennepetal. Prof. Mooren referierte aus der Sicht des Sportmediziners über Sport und Regeneration. Dabei machte er sehr eindrucksvoll deutlich, wie diese Prozesse bis auf die zellulärer Ebene wirken; jeder Trainingsreiz führt zu einem dosierten Zelltod, der Regeneration unabdingbar macht, damit ein guter Trainingseffekt entsteht und Schädigungen vermieden werden. Ein Höhepunkt des Symposiums war dann am Freitag der Abschlussvortrag von Prof. Dr. Michael Linden, ehemaliger Ärztlicher Direktor des Rehazentrums Seehof der DRV Bund und Leiter der Forschungsgruppen Rehabilitation der Charité. Er berichtete über Salutotherapie in der medizinischen Rehabilitation und machte am Beispiel einer kontrolliert randomisierten Studie deutlich, dass ausreichende und dosierte Regenerationen bessere Behandlungseffekte zeigt, als Überstimulation und übermäßige Aktivität. Hier wird noch viel Umdenken in der Rehabilitation notwendig sein, um diese Befunde auch in den Rehabilitationsalltag zu implementieren. Bei einem Imbiss verabschiedeten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Hoffnung, die Symposien mögen fortgeführt werden, um nicht nur den fachlichen sondern auch den persönlichen Austausch zu erhalten.

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