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Welche Stressregulationssysteme gibt es?

Für die Stressregulation spielt das so genannte vegetative (autonome) Nervensystem ( ANS) neben dem hormonellen System eine entscheidende Rolle. Während das vegetative Nervensystem körperlich kurzfristige Veränderungen über “ Gas“ und“ Bremse“ reguliert ist das hormonelle System für längerfristige Veränderungen notwendig. Wenn Gas und Bremse im Einklang stehen spricht man von einer guten“ vegetativen Balance“.

Um bewerten zu können, ob eine Situation gefährlich oder ungefährlich ist, müssen Menschen mit allen Sinnen wahrnehmen. Danach erfolgt eine schnelle, automatisierte Reaktion (200 ms!), die Menschen dabei hilft, Stress erzeugende Situationen zu bewältigen. Im Laufe der Entwicklungsgeschichte haben sich 3 Stufen des vegetativen Nervensystems (ANS) bei Säugetieren entwickelt, die der amerikanische Psychologe PORGES (2010) in seiner “polyvagalen Theorie“ wie folgt charakterisiert:

  • Das System Immobilisation und passive Adaptation (“ Totstellreflex“).
    Diese Stufe ist vermittelt über den nicht myelinisierten, dorsalen Vaguskomplex und findet sich schon bei Reptilien. Es handelt sich sozusagen um die “ Notfallbremsung“, also ein wenig differenziertes System.
  • Das Mobilisation System.....ist
    besser bekannt auch als“ Kampf- und Fluchtsystem“, das über den Sympathikus läuft. Dies führt zu einer Aktivierung, zu einer Erhöhung der Herzfrequenz, Ausschüttung von Stresshormonen (insbesondere Cortisol) um genügend Energie zur Verfügung zu stellen. So kann ein Mensch in einer stressbezogene in Situation entweder kämpfen oder fliehen, sie in jedem Falle aktiv bewältigen.
  • System Soziale Kommunikation
    Das höchst entwickelte, differenzierteste und nur bei Säugetiere zu findende biologische Stressbewältigungssystem läuft über myelinisierte, schnell leitende Fasern des Vagus Nervs. Diese haben ihren Ursprung in den ventralen Vaguskomplexen. Dieses System dient der Selbstberuhigung und kognitiven Bewältigung von stressbezogenen Situationen. Dazu nehmen Menschen Kontakt mit anderen Menschen auf, lassen sich über Berührung, Stimme und Bewegung beruhigen. PORGES nennt dieses System “ Soziale Kommunikation, Engagement und Fürsorge“. Hierzu gehören die Vokalisation, das Hören und der Gesichtsausdruck. Ziel dieses hoch entwickelten Systems ist die Stabilisierung autonomer Prozesse, die Förderung eines ruhigen Herzschlages, die Koordination von Atmung und Herzschlag und das Schaffen von sozialen Verbindungen. Letztlich drückt dieses biologische System die ihn alle bekannte Tatsache aus, dass Menschen "zusammen weniger allein sind“.

    Bei guter Funktionsfähigkeit der beschriebenen Systeme sind Menschen in der Lage, akuten Stress zu verarbeiten.


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